Mit LCHF das Plateau überwinden – zu welchem Preis?

Mit LCHF das Plateau überwinden – zu welchem Preis?

„Leider haben sich parallel zum Gewichtsverlust auch die Probleme, von denen ich immer dachte, sie hängen ausschließlich mit meinem Übergewicht zusammen, nicht in Luft aufgelöst.“ Dieser Satz von Kathrin K. zeigt sehr deutlich auf: Du kannst mit LCHF noch so linear und noch so erfolgreich abnehmen, doch auch Deine Seele muss mit.

Manchmal ist dies sogar die größte Herausforderung beim Ankommen im LCHF Lebensstil und genau der Grund, warum viele Erfahrene Low Carber betonen, es drehe sich hier um mehr als „nur“ eine Ernährungsform.

Mein Credo zum Thema: Das größte Ziel muss es sein, sich den gesunden Blick auf die positive körperliche Transformation und die Erfolge zu erhalten und die persönlichen Themen eines nach dem anderen und mit großer Geduld und Gnädigkeit vor der eigenen Person anzugehen. Schließlich haben sie nicht immer mit dem Körperfett zu tun.

Blicken wir aber zunächst zurück. Erinnerst Du Dich an diesen Graphen?

@Kathrin K aus Dresden / FDDB

@Kathrin K aus Dresden / FDDB

Es ist die Erfolgsgeschichte von Kathrin K. (Name nicht geändert, Kürzel sind zufällig gleich). Mit LCHF hat sie diese lineare Abnahme erreicht. Falls Du ihre Geschichte noch nicht kennst, dann hole das am besten hier nach als Teil 1 ihrer Geschichte. Von dort wirst Du automatisch hierher zurück gelinkt.

Kathrin und ich sind seit Erscheinen des Artikels in Kontakt geblieben und Ende des letzten Jahres sind wir überein gekommen, ihre Geschichte hier weiter zu erzählen. Bereits im Sommer 2015 war klar, dass die Abnahme nicht so wie erwartet weiter ging. Und da Kathrin eine sehr gute und persönliche Schreibe hat, lassen wir sie am besten selbst zu Wort kommen:

Nachdem ich Mitte März 2015, als Kathrin erstmals von mir berichtete, noch total im Glücksrausch war und voller Euphorie dachte, dass sich die letzten neun Kilo bis zur Zielmarke von 65 kg genauso leicht abnehmen wie der vorangegangene Löwenanteil, musste ich in den letzten neun Monaten lernen, dass wohl genau das die größte Herausforderung werden würde.

Schwelgte ich damals noch von „lächerlichen“ neun Kilogramm, so beiße ich mir heute daran fast die Zähne aus. Denn: Mitte Juli diesen Jahres beim Stand von rund 69 kg kam die große Wende, die ich als solche anfänglich gar nicht wahrgenommen habe  bzw. wahrnehmen wollte.

Plötzlich hörte der konstante und längst zur Routine gewordene Gewichtsverlust von ca. einem Kilo pro Woche auf. Wochenlang schwankte mein Gewicht immer um diesen Punkt herum, mal zwei Kilo mehr, mal zwei Kilo weniger, wobei das Thema Wassereinlagerungen aufgrund der zu diesem Zeitpunkt herrschenden Hitze von großer Relevanz war und mich gleichzeitig auch ein wenig getröstet hat.

Aus meinem Umfeld hörte ich immer öfter Sätze wie: „Du bist auf einem Plateau angekommen – willkommen im Club“, „vielleicht ist ja genau das dein Optimalgewicht, mit dem dein Körper am besten klarkommt“, „setz dich nicht so unter Druck, du hast so viel erreicht und siehst doch eigentlich super aus, es reicht doch jetzt.“

Nur leider war und ist da in meinem Kopf der lebenslänglich eingehämmerte Leitgedanke „Normalgewicht = Körpergröße in cm minus 100“, und das sind nun mal bei meinen 1,65 m die besagten 65 Kilogramm! Ja genau, ich möchte einfach nur  N O R M A L  sein!

Nach dem Motto, ‚das kann doch jetzt nicht so schwer sein.’ und ‚das wäre doch gelacht, wenn ich diese letzte Hürde nicht auch noch nehme’, setzte ich mich intensiver mit meinem Stoffwechsel und der Frage ‚bin ich überhaupt noch in der Ketose?’ auseinander.

Ich wusste, dass ich etwas ändern musste, weil es ja so wie bisher nicht mehr funktionierte. Eine Rückkehr in den Zuckerstoffwechsel stand und steht dabei natürlich nicht zur Debatte. Also nahm ich mir nochmals das Buch „Köstliche Revolution“ und Dr. Eenfeldts Website zur Brust.

Im Ergebnis dessen stand der Entschluss fest, ab sofort jegliche Süßstoffe wegzulassen, den Konsum von Milchprodukten drastisch zu reduzieren, das beschriebene 16:8-Fasten auszuprobieren und meine Ketose mal wieder kritisch unter die Lupe zu nehmen.

Eigens dafür bestellte ich mir ein Messgerät zur Bestimmung der Ketonwerte übers Blut, da die Ketostix-Teststreifen einfach zu ungenau sind. Die bewährte 70/10/20-Formel bei 80 % vom Tagesbedarf behielt ich bei. Und siehe da: Mein „Maßnahmenpaket“ zeigte baldige Wirkung und ich nahm in zwei Wochen knapp vier Kilogramm ab und landete damit äußerst glücklich bei 67 Kilo – das aber nur für einen Tag.

Das Ziel war zum Greifen nahe – nur noch zwei Kilogramm! Jedoch merkte ich recht schnell, dass der Verzicht auf Milchprodukte (kein Sahnejoghurt, kein Käse) und das 16:8-Fasten auf die Dauer für mich nicht praktikabel waren: Konkret bedeutete dies, bis 15 Uhr zu essen und dann erst wieder früh gegen 7:30 Uhr zu frühstücken.

Diese Einschränkungen waren einfach zu viel für mich, so dass ich beschloss, wieder Milchprodukte zu essen und das 16:8-Fasten auf max. zwei Tage in der Woche zu beschränken. Das Ende dieses Liedes war der Rückfall über die für mich magische 70-Kilo-Grenze.

Dann kam mein Kurzurlaub von einer Woche, in der ich trotz Einhaltung aller LCHF-Regeln und mehr Sport als daheim sage und schreibe 3,5 kg zugenommen habe! Ich staunte nicht schlecht, als mich auf der Waage 74,6 kg anlachten und kann mir diesen rasanten Sprung nach oben bis heute nicht erklären.

Der große Wurf ist mir seit dem nicht mehr gelungen. Ich schwanke kontinuierlich zwischen 72 und 75 kg und habe das Gefühl, dass irgendwie die Luft raus ist und ich auch keinen Nerv mehr habe, die ständige Kontrolle über das fddb-Ernährungstagebuch konsequent fortzuführen.

Denn eigentlich bin ich ja nun schlank – so sagen es mir zumindest der Blick in den Spiegel und auch die Rückmeldungen aus meiner Umgebung. Ich selbst empfinde es so, dass ich mich momentan in einer schwierigen Phase befinde, die hauptsächlich von der Angst des Wiederzunehmens aber auch von Selbstzweifeln geprägt ist.

Leider haben sich parallel zum Gewichtsverlust auch die Probleme, von denen ich immer dachte, sie hängen ausschließlich mit meinem Übergewicht zusammen,nicht in Luft aufgelöst. Im Gegenteil, es sind neue völlig ungeahnte Probleme hinzugekommen.

Nicht alle Menschen sehen meine Verwandlung positiv. Ich muss mit Anfeindungen bezüglich meiner Ernährungsform klarkommen, die vermutlich auf dem reinen Neidfaktor jener Leute und dem Frust über die eigene Erfolglosigkeit beruhen.

Besonders anmaßend finde ich jedoch, dass einige Personen paradoxerweise nun von einer Verschlechterung meines Gesundheitszustandes ausgehen, was sich für mich mittlerweile als echte Existenzbedrohung darstellt.

Schon mein ganzes Berufsleben lang wurde ich direkt oder unterschwellig wegen meines extremen Übergewichtes diskriminiert und gekränkt. Ich hatte inzwischen sogar so etwas wie Verständnis für die gängigen Vorurteile gegenüber Dicken (krank, faul, träge und undiszipliniert) entwickelt und hätte Zweifel an meiner Gesundheit absolut nachvollziehen können.

Es schockiert mich sehr, dass mir das ausgerechnet jetzt passiert, wo sich körperlich alles zum Guten gewendet hat. Dies trägt nicht unbedingt dazu bei, sich im neuen Körper heimisch zu fühlen. Ich hätte mit allem, nur nicht damit gerechnet! Auch auf so etwas sollte man also besser vorbereitet sein, wie nun die Geschichte lehrt.

Eigentlich hätte ich es wissen sollen, da mir mein Doktor, über den ich wie bereits berichtet auf LCHF gekommen bin, schon vor langer Zeit einmal sagte, dass meine Umgebung natürlich erst einmal denkt, mir gehe es schlecht. Ich konnte mir das nicht vorstellen, aber er sollte damit Recht behalten.

Man kann eben nicht davon ausgehen, dass jeder entspannt und anstandslos mit solch drastischen körperlichen Veränderungen und sicher auch der veränderten Persönlichkeit umgehen kann.

Ich versuche nun irgendwie, diesen neuen Widrigkeiten zu trotzen, behalte meine ketogene Ernährungsform selbstverständlich bei und versuche rückblickend auf meinen Ausgangspunkt ein bisschen Frieden mit meinem derzeitigen Gewicht zu machen.

Das 65-Kilo-Ziel existiert zwar noch, aber inzwischen nicht mehr so vordergründig. Ich werde mich deswegen keinesfalls zeitlich unter Druck setzen und hoffe einfach darauf, dass es, wenn ich ein wenig zur Ruhe gekommen bin, vielleicht doch noch einmal anruckt und noch ein paar Kilos fallen.

Die Königsdisziplin ist auf alle Fälle, nicht weiter zuzunehmen und das Gewicht erst einmal konstant zu halten. Das ist Aufgabe genug denke ich.

Was mir Kathrins Geschichte klar macht: LCHF verändert uns zum einen körperlich, oftmals mit diesen Erfolgsgeschichten, wie wir sie zuhauf erzählen können. Für mich ist Kathrins Erfolg nach wie vor grandios, wiewohl ich sehe, dass für sie aktuell die persönlichen und seelischen Hürden das Denken mehr bestimmen als die Freude über ihren Erfolg.

LCHF verändert uns seelisch. Die persönlichen Nüsse, die wir zu knacken haben, sehen wir zuweilen im Anschluss an eine Abnahme besser, alleine weil die alles überdeckende Fettschicht nicht mehr da ist. Nicht mehr als Entschuldigung, nicht mehr als Herausforderung in der Abnahme. Zuweilen wird es sogar ungemütlich, weil wir insgesamt kantiger werden – äußerlich und innerlich.

Kathrin, Dir wünsche ich Ruhe und Gelassenheit, Frieden mit Deinem Normalgewicht und Deinem Stoffwechsel zu schließen, Dir selbst viel Geduld, Gnade und Gelassenheit einzuräumen und die Themen, die Dich bewegen, Schritt für Schritt anzugehen. Vor allem wünsche ich Dir, dass Du nicht den Blick für die positiven Aspekte Deines Lebens aus den Augen verlierst und Deinen LCHF Lebensstil weiterhin genießen kannst. Dafür alles alles Gute!

Mehr zum Hören und Lesen:

Annika und ich haben zum Thema „Schön, schlank?“ einen Podcast eingesprochen – falls Dich das Thema bewegt, ist hier eine Vertiefung möglich.

Bei LCHF.de findest Du ebenfalls neue Aspekte von Kathrins Geschichte, lies gerne dort weiter.

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